Tränen flossen ihr übers Gesicht. Sie sah auf das Grab vor dem sie saß. Es war schrecklich. Ihr ganzes Leben war schrecklich! Erst starb ihr Cousin Neji. Ja, Neji war tot und dann wurde sie von ihrer Familie verstoßen. Deswegen saß sie am Weihnachtsabend allein vor Nejis Grab. Ihre Freunde feierten alle. Aber sie wollte nicht feiern. Dazu fühlte sie sich zu schlecht. Hinata sah zu dem Grab das neben Nejis lag. Itachi Uchiha stand im Stein. Sie hatte darum gekämpft das er hier neben Neji lag und Tsunade hatte ihr widerwillig nachgegeben.
Plötzlich hörte sie Schritte. Erschrocken drehte sie sich um. Es war Sasuke. Erst vor kurzem, kurz nach Nejis Tod, war er zurück nach Konoha gekommen. Er sah zum Grab seine Bruders. „Er ist wirklich tot“, hörte sie ihn murmeln. Es müsste ein Schock für ihn sein, dass sein verhasster Bruder tot war und nicht durch seine Hände gestorben war.
„Hinata, weißt du etwas über seinen Tod? Kannst du mir davon erzählen?“, fragte er immer noch geschockt. „Ja, ich kann dir was darüber erzählen“, sagte sie leise und wieder traten Tränen in ihre Augen. Sie spürte eine sanfte Hand die über ihr Gesicht strich, als wollte sie ihr Trost spenden. „Was hasst du?“, fragte Sasuke sanft.
Hinata rang um ihre Selbstbeherrschung und sagte dann: „Lass uns irgendwo hingehen. Es ist kalt. Dann erzähle ich dir alles.“
„Am besten gehen wir zu mir.“
Eine Viertelstunde später saßen sie im Wohnzimmer von Sasuke und tranken Tee. Hinata fiel auf, das Sasuke überhaupt nicht weihnachtlich geschmückt hatte. Deprimiert dachte sie das sie ihre kleine Wohnung auch nicht geschmückt hatte. „Also?“, fragte Sasuke. Ach, ja er wollte den Tod von Itachi erklärt haben. „Also, als erstes unterbreche mich bitte nicht“, begann sie. Sasuke nickte. Hinata einmal tief Luft und fing an zu erzählen.
„Also. Das habe ich erst später erfahren. Aber dein Bruder war mit meinem Cousin Neji zusammen und wie es scheint, hat Itachi Neji wirklich geliebt und umgekehrt. Doch genau das ist der Grund warum sie gestorben sind. Du kanntest vielleicht den Partner deines Bruders Kisame. Er war eifersüchtig auf Neji und, …und…“, sie schluckte, „ und hat ihn umgebracht. Dein Bruder Itachi sinnte nach Rache und brachte Kisame um. Und danach sich selbst, weil er Nejis Tod nicht ertragen konnte.“
Hinata vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Es war so schrecklich. Stockend fügte sie noch hinzu: „Ich hab dafür gesorgt, das Itachi neben Neji begraben wird. Immerhin hat er ihn geliebt.“
Sie fing an zu weinen. Zum wievielten Mal schon in letzter Zeit?
Plötzlich spürte sie wie sie in den Arm genommen würde. Hinata sah auf. Sasuke sah die gegenüberliegende Wand an. Tränen liefen ihm übers Gesicht. Ja, der große Sasuke Uchiha weinte!
Hinata vergrub ihr Gesicht in seine Schulter und schluchzte. Nach Nejis Tod hatte sie keiner mehr in den Arm genommen. Auch nicht ihre Freunde. Jetzt ließ sie alles Raus. Ihre Trauer über Nejis Tod, ihre Traurigkeit wegen der Verstoßung und die Einsamkeit.
Er weinte. Nach so vielen Jahren weinte er wieder. Aber er konnte nicht anders. Das war alles so schrecklich. Nicht, weil er sich nicht mehr rächen konnte. Nein, einfach die Tatsache das sein Bruder auch irgendwie eine gute Seite hatte.
Das er solange alle Allein war. Das er immer noch einsam war. Alles brach heraus. Es spendete Trost Hinata in den Armen zu halten. Einfach das Gefühl genießen nicht allein zu sein.
Langsam beruhigte sich Hinata. Sie nahm den immer noch weinenden Sasuke in den Arm und tröstete ihn. Nur langsam hörte die Tränen auf über sein Gesicht zu laufen. Sanft aber bestimmend drückte er sich von ihr. Hinata sah das er etwas rot war.
Schämte er sich etwa?
Bestimmt. Immerhin war er der große Sasuke Uchiha. Aber er war auch nur ein Mensch und das würde sich auch nie ändern und Menschen hatten nun mal Gefühle. Mal gute, mal schlechte. Auch wenn bei ihm und auch bei ihr im Moment die schlechten überwiegen.
Sie sah Sasuke, der stur in eine andere Richtung sah, wie schön er wohl aussehen würde wenn er glücklich wäre?
„Sasuke?“ „Hm.“ „Kann ich heute Nacht hier bleiben? Ich möchte nicht wieder alleine sein.“ „Was ist mit deiner Familie?“
Er wusste noch gar nicht, das sie verstoßen würde?
„Ich würde verstoßen“, flüsterte sie und war wieder den Tränen nahe.
„Tut mir Leid, das wusste ich nicht. Von mir aus kannst du im Gästezimmer schlafen“, sagte er. Mit Mühe erlangte sie wieder ihre Selbstbeherrschung und stand auf.
Sasuke zeigte ihr das Gästezimmer. Ein schlichtes Zimmer mit einem Bett, einem Schrank und einem Nachtschränkchen.
„Falls du Hunger hast, kannst du dir was in der Küche machen“, sagte er noch, dann ließ er sie allein. Jetzt war sie wieder allein. Obwohl sie hier bleiben wollte um nicht allein zu sein. Ein Seufzen entglitt ihr. Hinata ging in die Küche und bemerkte das Sasuke im Wohnzimmer Fernsehen guckte.
Sie sah sich in der Küche um und machte dann etwas zu essen. Ramen. Die Zeit mit Naruto hatte wohl doch ihre Spuren hinterlassen und das obwohl sie grade mal einen Monat zusammen waren, dann hatte er sich von ihr getrennt um mit Sakura zu gehen. Das war vor zwei Jahren gewesen. Damals hatte sie sich die Augen ausgeheult, aber heute schmerzt es sie noch nicht mal. Hinata hatte genug für sich und Sasuke gemacht.
//Wieso hat ihre Familie sie verstoßen?//, fragte er sich. Er war selbst überrascht gewesen, das er ihr erlaubt hatte, hier zu nächtigen. Andererseits hatte sie ihn getröstet und dafür war er ihr unglaublich dankbar. Seit er wieder in Konoha war, fühlte er sich noch einsamer. Niemand aber wirklich niemand hatte sich für ihn interessierte. Nicht das es schlimm wäre, aber es hatte ihn noch einsamer gemacht. //Ich benehme mich ganz schön unhöfflich ihr gegenüber. Aber das sie mich weinen gesehen hat, irritiert mich einfach//, dachte er.
„Sasuke?“ Angesprochner sah auf und sah Hinata mit einem Tablett in der Hand unschlüssig im Wohnzimmer stand. „Möchtest du Ramen?“, fragte sie. Ramen? Nicht wirklich sein Lieblingsessen. Aber er hatte Hunger.
„Ja, gerne. Du hattest nicht für mich mitkochen müssen.“ „War doch keine große Arbeit“, sagte sie und stellte das Tablett auf dem Wohnzimmertisch ab. Er nahm sich eine Schüssel und begann zu essen. Schweigend nahm Hinata die andere Schüssel und fing ebenfalls an zu essen. „Das schmeckt gut. Du hast gut gekocht“, lobte er sie um das Schweigen zu brechen. „Danke.“
Wieder herrschte Schweigen.
„Wieso würdest du verstoßen?“, fragte Sasuke und war wirklich gespannt auf ihre Antwort.
Hinata schwieg. //Soll ich ihm das wirklich erzählen? Warum nicht? Was kann schon passieren?//
„Weißt du, mein Vater hat mich noch nie akzeptiert und nachdem meine Schwester Chu-nin geworden ist. Meinte er, das sie das Oberhaupt übernehmen kann. Da aber immer der älteste das Oberhaupt übernimmt, musste ich erst verstoßen werden“, sagte sie traurig. Sie weinte aber nicht. Für heute hatte sie genug geweint. „Das tut mir Leid für dich“, hörte sie Sasukes Stimme. Und sie hörte echtes Bedauern und Mitleid heraus.
//Ob er mich versteht?//
Sasuke erinnerte sich an seine Kindheit. Er hatte immer hinter seinem Bruder gestanden und würde von seinem Vater nie beachtet. Erst kurz vor seinem Tod hatte sein Vater ihm etwas Beachtung geschenkt. //Und Hinata ist auch noch die Ältere. Das muss wirklich Schrecklich für sie sein.//
„Ich geh dann mal schlafen“, sagte Hinata und ging. Sasuke sah ihr lange nach.
Mitten in der Nacht wachte Hinata auf. //Was hat mich denn geweckt?//
Ein Blitz schlug in der Nähe des Fensters ein und erhellte für kurze Zeit das Zimmer. Ängstlich rollte sie sich zusammen. Sie hatte Angst vor Gewittern. Höllische Angst. Als ihre Mutter noch gelebt hatte, war sie immer in ihr Bett gekrochen.
//Ob ich,…//
Immer noch ängstlich stand sie auf und tastete sich im Dunkeln aus dem Zimmer. Dann gelangte sie zum Flur und suchte im Dunkel Sasukes Zimmer. Nach dem vierten Versuch fand sie es. Sasuke schlief ruhig in seinem Bett, das Gewitter machte ihm nichts aus.
//Ich kann ihn doch nicht wecken.//
Er regte sich. „Hinata? Was machst du hier?“, fragte er verschlafen. Sie errötete, was man durch die Dunkelheit aber nicht erkennen konnte.
„I-Ich k-kann wegen de-dem Ge-Gewitter nicht schlafen“, stotterte sie. //Na toll. Jetzt fange ich wieder an zu stottern.// Sie sah schattenhaft das Sasuke seine Decke hob. Ihr Gesicht würde noch röter. „Jetzt komm schon“, sagte Sasuke und mit hochrotem Kopf legte sie sich neben ihn. „Da-Danke.“
Sie spürte seinen warmen Körper dicht neben sich. Ein lautes Donnergrollen erschreckte sie und veranlasste sie dazu sich an Sasuke zu drücken. Dieser nahm sie in den Arm und langsam aber sicher konnte sich trotz Gewitters einschlafen.
Wieder erinnerte sich Sasuke an seine Vergangenheit.
Ein sechsjähriger Junge tappte durch die Dunkelheit. Er hörte ein lautes Donnergrollen und schon zuckte er wieder zusammen. //Ich muss weiter! Ich muss stark sein! Ich bin ein Uchiha!//, machte er sich selber Mut und ging vorsichtig weiter. Der kleine Sasuke öffnete eine Tür und betrat das Zimmer. Eine Person schlief im Bett, das konnte man erkennen. „Sasuke, bist du das?“, hörte der kleine die Stimme seines Bruder. „Ja.“ Wieder ein lautes Donnergrollen. „Hast du Angst vor dem Gewitter? Na dann komm her“, sagte Itachi verständnisvoll. Sofort lief der Jüngere zum Bett und legte sich hinein.
//Itachi.//, dachte er.
Sein großer Bruder war immer für ihn da gewesen. Selbst nach dem er den Clan umgebracht hatte, hatte Sasuke das Gefühl nicht verloren, dass sein Bruder ihn immer beschützen würde. Doch bis jetzt hatte er es immer in einen kleinen Winkel seines Herzens versteckt.
Eine einzelne Träne lief ihm übers Gesicht. Itachi war immer sein unbesiegbarer Bruder gewesen. Und jetzt war er tot. Gestorben aus Liebe.
//Ob ich auch einmal lieben werde? So wie Itachi Neji geliebt hatte? Es muss ein schönes Gefühl sein verliebt zu sein. Sonst hatte Itachi sich nicht umgebracht, weil sein Liebster nicht mehr da war.//
Aber woher weiß man ob man verliebt ist? Wie verliebt man sich überhaupt? Sasuke hatte keine Ahnung. Er sah zu Hinata und drückte sie fester an sich. Er möchte Hinata. Nicht wie man einen Freund möchte. Nein, anders.
//Seltsam. Was das wohl für ein Gefühl ist?//
Verschlafen schlug sie die Augen auf. Die Sonne schien ihr direkt ins Gesicht und genervt schloss sie wieder ihre Augen. Sie spürte einen Arm um sich geschlungen und einen Körper neben ihr. Erst erschrak sie, erinnerte sich dann aber wieder.
//Ich fühle mich bei ihm so geborgen//, dachte sie. Das letzte Mal als sie sich geborgen gefühlt hatte, war als Neji sie in dem Arm genommen hatte und sie getröstete hatte, weil Naruto sie verlassen hatte. Neji, wieder fühlte sie die beklemmende Traurigkeit. Sie kuschelte sich an Sasuke, damit das Gefühl schwächer würde.
//Kann es sein das ich mich in Sasuke verliebt habe?//
Allein der Gedanke ließ sie erröten. Sollte sie das erste Mal nach Naruto wieder verliebt sein? Ihr Herz pochte. Und die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag.
//Ich liebe ihn! Meine Gefühle sind viel stärker für ihn als sie für Naruto jemals waren.// Sollte sie es ihm sagen?
Sasuke wachte langsam auf und sofort fiel ihm das Mädchen in seinen Armen auf. Hinata. Sein Herz schlug schneller. //Was ist das denn?//
Er roch ihr hier Haarshampoo. Lavendel. //Das passt zu ihr.//
Moment. Was dachte er da? Wieso machte er sich darüber Gedanken ob ihr Haarshampoo zu ihr passte. Oder nicht? War er verrückt geworden? Um so was machte man sich keine Gedanken!
Hinata drehte sich zu ihm um und ihre Augen trafen sich.
Schwarz und weiß. Weiß und schwarz.
//Ihre Augen sind wunderschön und, und traurig.// Er dachte an das was sie ihm gestern erzählt hatte. Das muss schlimm für sie sein, erst das mit Neji und dann verstoßt sie der Clan. Ohne nach zu denken beugte er sich vor und küsste sie. Er wollte sie glücklich sehen!
Hinata war überrascht. Sasuke küsste sie! Scheu erwiderte sie denn Kuss. Nur langsam überwand sie ihre Scheu und küsste ihn richtig leidenschaftlich. Er ließ von ihr ab und sie sahen sich wieder in die Augen.
„Ich liebe dich“, hauchte sie.
Hinata wusste nicht woher ihr Mut auf einmal kam, aber er war da und das war die Hauptsache!
Erschrocken sah er sie an. //Sie liebt mich? Und was fühle ich?//
„Hinata“, flüsterte er.
„Ich weiß nicht ob das was ich fühle Liebe ist. Ich war doch noch nie verliebt“, sagte er leicht verzweifelt. „Fühlst du dich einsam, wenn ich bei dir bin?“, fragte sie liebevoll. „Nein, ich fühle mich geborgen.“ Sie lächelte. „Dann ist es Liebe. Denn Liebe besiegt immer die Einsamkeit.“
Er schloss die Augen und ließ die Worte auf sich einwirken. //Dann ist das also Liebe. Es ist ein schönes Gefühl.//
Ihm würde bewusst, das er jetzt nicht mehr einsam sein würde, das er vielleicht sogar wieder glücklich werden konnte. Denn jetzt hatte er Hinata. Sasuke sah sie noch mal an, dann sagte er:
„Ich liebe dich auch, Hinata.“